Blogparade: Unsere ReiseEntpfehlung Abu Dhabi

20 lange Stunden in Abu-Dhabi

Eine Reise mit Zwischenstopp in Abu Dhabi? 20 Stunden Aufenthalt? So eine Gelegenheit einfach verstreichen zu lassen und die Zeit am Flughafen totzuschlagen kommt überhaupt nicht in Frage. Immerhin gibt es in diesem exotischen Land viel zu entdecken. Tradition und Kultur, ein Hauch von orientalischem, geradezu mystischem Flair beim Gang über traditionelle Märkte, aber auch modernste Technologie und architektonische Reize…

Das zumindest beschrieb der vor dem Start und nach der Landung in Endlosschleife laufende Werbespot der Fluggesellschaft Etihad, den man zunächst interessiert, dann geduldig und spätestens nach der vierten Wiederholung etwas gereizt zur Kenntnis nimmt. Das Ausschalten der Bildschirme wird technisch unterbunden und der Ton läuft über die Lautsprecher der Innenkabine. Assoziationen zu Clockwork Orange kamen auf.

Nun ja, gelandet um 6:30 Uhr, Handgepäck vorübergehend abgegeben, und noch am Flughafen erstmal nach Gestaltungsmöglichkeiten für den Tag suchen. Ein Tourist Information Point, der solcherlei Infos bietet, war laut Hinweisschild leider erst ab 7 Uhr besetzt. Deshalb trank man noch einen Kaffee für umgerechnet 10€ und wartete. Um 7:45 Uhr war leider noch niemand am Info-Point, also beschlossen wir, die Gestaltung des Tages selbst in die Hand zu nehmen. Schließlich sind 20 Stunden nicht gerade viel Zeit für eine Erkundung der Stadt, so dachten wir. Noch. Also raus aus dem Flughafen.

Erster Eindruck: Abu Dhabi ist heiß. An und für sich keine große Überraschung, trotzdem ist die Hitze kaum in Worte zu fassen. Bei Schattentemperaturen von ca. 40 Grad vergeht einem die Begeisterung recht schnell, zumal man in der Sonne noch einmal 10 Grad dazu rechnen kann – und die Sonne ist wirklich überall. Also lieber schnell einen Bus suchen. Lustigerweise entsprach „10 Grad“ genau der Temperatur, die uns beim Betreten entgegenschlug. Mit nassgeschwitzter Haut tut die Brise ungefähr 10 Sekunden lang gut, dann beginnt man zu frieren. Wir wollten uns nebeneinander setzen, um die Karte für unsere nächsten Ziele zu studieren, sahen beim Hinsetzen aber die Hinweisschilder an den Fenstern im vorderen Teil des Busses: „Ladies only“. In Abu Dhabi herrscht in Bussen Geschlechtertrennung, Frauen vorne, Männer hinten. Na gut, dann musste meine Liebste eben die weiteren Schritte alleine planen (kann sie sowieso viel besser) und ich setzte mich nach hinten. Während der Fahrt konnte man einen guten Eindruck von der Stadt bekommen. Es gibt in Abu Dhabi vor allem drei Dinge: Straßen, Baustellen und Shopping Malls. So eine sollte auch unser erster Stopp sein: Die Al Rahal Mall. Zu ihr gibt es nicht viel zu sagen. Es ist ein großes Einkaufszentrum mit Starbucks, McDonalds & Co. Wenn man die Frauen in Burkas und die Männer im Thawb nicht sähe, man würde meinen, man befände sich in den USA. Interessant ist höchstens, dass (vermutlich wegen der gemütlichen 15 Grad) die Fläche der Mall für viele Aktivitäten jenseits des Einkaufens genutzt wird, etwa für Sport (wirklich! Man sieht mehrere Jogger durch die Mall laufen) und als Kinderspielplatz.

 

Wir dachten über weitere Ziele nach. Dass wir die berühmte Scheich-Zayid-Moschee besichtigen wollten, stand schon fest, aber das wollten wir uns als krönenden Abschluss vor der Abreise aufbewahren. Jetzt wollten wir erst einmal etwas orientalischen Flair erleben. Irgendwo musste doch so ein traditioneller Markt zu finden sein. Wir entdeckten die grafische Darstellung eines Teppichs auf unserer Karte – ein Teppichmarkt! – und beschlossen, dorthin aufzubrechen. 15 Grad – 50 Grad – 10 Grad. Wir saßen wieder im Bus und bestaunten das Grau hinter den Fenstern. Nach und nach stiegen immer mehr Leute aus, nach 20 Minuten waren wir ganz allein und beschlossen, uns nun doch nebeneinander zu setzen. Der Bus hielt an der Endstation und wir schauten aus dem Fenster. Dödööm. Auch nach langer Überlegungszeit fällt mir kein besserer Vergleich ein: Wir blickten auf etwas, das wie der Hinterhof eines Supermarkts in Duisburg-Marxloh aussieht. Ein mittelgroßer eckiger Hof an dessen Rand einige Teppiche auf dem Boden liegen. Auf der anderen Seite war eine Baustelle zu sehen, daneben Wasser und daneben nichts. Alles war menschenleer.

Wir überlegten, den Bus erst gar nicht zu verlassen und zu warten, bis er wieder losfährt. Das war uns dann aber doch etwas zu peinlich und wir beschlossen, uns zumindest in der näheren Umgebung umzusehen. Einen orientalischen Markt sahen wir nicht, dafür aber eine tote Ratte mit einer Leine um den Hals. Wohl das Produkt geistreicher spielender Kinder. Uns wurde übel. Nach 3 Minuten standen wir wieder vor dem Bus und versuchten dem Busfahrer zu erklären, dass wir uns wohl im Reiseziel vertan hatten. Er empfahl uns, doch eine Shopping Mall zu besuchen. Super Idee! Wir fuhren also zur Marina Mall und setzten uns in einen Pizza Hut. So langsam setzte auch der Galgenhumor ein und wir beschlossen unter Gelächter, noch eine Shopping Mall zu besuchen, immerhin hatten wir noch über 12 Stunden Zeit. Also ging es wieder per Arktis-Express von der Marina Mall zur Abu Dhabi Mall, von der mir nicht viel in Erinnerung geblieben ist, außer, dass es im Supermarkt Kinder-Schokolade in der arabischen Version gab. Was aber noch genau im Gedächtnis geblieben ist, war unsere Rückwegsplanung: Bus zur Scheich-Zayid-Moschee nehmen, Moschee besichtigen, gleichen Bus zum Flughafen. Leider konnte uns keiner der Angestellten in der Shopping Mall sagen, wo der Bus zur Moschee bzw. zum Flughafen abfährt. Wir liefen vor der Mall auf und ab (zur Erinnerung: bei 50 Grad), wieder in die Mall hinein (15 Grad), fragten weiter, bekamen andere Hinweise und liefen wieder hinaus. Das wiederholte sich einige Male, bis wir den Bus von Weitem kommen sahen und dem Fahrer hektisch zuwinkten. Mit einer entschuldigenden Geste brauste der an uns vorbei. Wir fanden die Situation nun nicht mehr ganz so lustig und begaben uns in die Richtung, aus welcher der Bus gekommen war. Ich kürze es ab: wir fanden die Haltestelle, warteten noch eine halbe Stunde und fuhren dann mit dem nächsten Bus zur Moschee.

Nun kommt der positive (ja, keine Ironie!) Teil des Berichts: Die große Moschee in Abu Dhabi ist wirklich einen Besuch wert. Gut, wir haben zuerst den Eingang nicht gefunden und mussten von einem freundlichen Herrn mit umgehängter AK-74 den Weg gezeigt bekommen, und natürlich wird man vor dem Betreten durchleuchtet und muss sich angemessen kleiden (Frauen bekommen einen Schleier gestellt) aber das alles mindert das Erlebnis nicht, dieses prächtige Bauwerk zu bestaunen. Ein Stück echter Kultur. Zufällig hatten wir den Zeitpunkt unserer Ankunft sogar so gewählt, dass wir bei der Anreise die Moschee im Tageslicht und bei der Abreise im Dunkeln, angestrahlt von Scheinwerfern bestaunen konnten. Die zwei Stunden, die wir dort verbrachten, machten den Rest des Tages zu einem kleinen, wenn auch kaum sichtbaren, Teil wieder gut.

Am Flughafen haben wir noch etwas für unser Leben dazugelernt: Man darf – zumindest in Abu Dhabi – frühestens 6 Stunden vor Abflug in die Wartehalle. Der Mann vom Gate wies uns darauf hin, dass wir noch 15 Minuten warten müssten, bevor er uns hineinlassen könne. Na ja, wo genau wir unsere Zeit absaßen war uns dann auch egal. Immerhin haben wir am Gate noch zwei freie Liegen gefunden und konnten sogar etwas schlafen, trotz erkältungsfördernder Klimaanlage.

Unser Fazit für den Aufenthalt: In Abu Dhabi gibt es eine wirklich sehenswerte große Moschee!

Mit diesem Artikel nehmen wir an der Blogparade: Meine ReiseEntpfehlung von Worldonabudget teil.

Aufruf zur Blogparade: Meine ReiseEntpfehlung

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7 Gedanken zu “Blogparade: Unsere ReiseEntpfehlung Abu Dhabi

  1. Hey ihr beiden,

    danke für die Teilnahme an unserer Blogparade. Die Werbespots von Etihad kennen wir auch sehr gut – da kann es einem dann schon mal in den Fingern jucken die Stadt zu erkunden. Dass dann alles doch anders ist, ist schon sehr schade. Gut dass ihr euren Humor nicht verloren habt!

    Liebe Grüße aus Guatemala
    Chris

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  2. Danke für den Bericht, Colle und Benne. Nun – Geschlechterapartheid und Burkas in euro-amerikanischen Protz-Malls treffen halt nicht jeden Geschmack – haben aber immer noch genügend Fans.
    Leider…
    Mir hat ein zweistündiger Aufenthalt am Flughafen gereicht, um mich zu „ent-pfehlen“.

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    1. Liebe Ines – vielen Dank für Deinen Kommentar und dass Du bei uns vorbeischaust. Haha ja da triffst Du wohl den Nagel auf den Kopf. Vielleicht hätten wir mit einer Wüsten-Safari mehr orientalischen Flair erlebt (zumindest für Touris), allerdings kam der gute Mann an der Touri-Info ja leider nicht 😀
      Das nächste Mal bleiben wir auch direkt am Flughafen!
      Liebe Grüße
      Colle und Benne

      Gefällt 1 Person

  3. Vielen Dank für diesen coolen Bericht. Ich hatte Abu Dhabi bisher nicht in meinen Reiseplänen und das auch aus gutem Grund.
    Da ich so wieso eine Abneigung habe gegen diesen Protz und Resourcenverschwendung (gleichso in Las Vegas, Dubai und Quatar) verweigere ich mich konsequent, Abu Dhabi zu besuchen.
    Lediglich als Zwischenstopp, so wie bei euch, hätte ich es mir mal angeschaut…
    Die Moschee sieht echt toll aus…aber Shopping Malls habe ich schon in Berlin genug… 😉
    Ganz liebe Grüße Janine

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  4. Eine Kollege von mir war mit Familie in den Vereinigten Arabischen Emiraten und total begeistert. Aber je mehr er erzählte, desto weniger wollte ich hin. Janine hat die Gründe bereits alle aufgeführt – außer das mit den Berliner Shopping Malls 😉
    Aber schön, dass ihr dann doch noch die Moschee gefunden habt. Wäre schade gewesen, wenn ihr nicht hingekommen wäre und künftig bei Abu Dhabi nur an PizzaHut gedacht hättet *lach*
    Claudia

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  5. Herrlicher Einblick in eure 20 Stunden Abu Dhabi :). Bei einigen Passagen musste ich schmunzeln, da dies ähnliche Erfahrungen sind, die Freunde und Bekannte erzählten. Die Hitze soll unerträglich sein, daher eignen sich die Wintermonate eher als die Sommermonate. Ebenso die Bauten. Wer durch die Innenstadt läuft oder fährt, der vergisst sehr schnell, dass er in einem orientalischem Land unterwegs ist, weil halt vieles wie im Westen aussieht. Das Schöne ist, dass abschließend doch noch was Positives mitnehmen konntet :).

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